MEXIKO

MÄRZ / APRIL 2014

Da Hawaii so weit weg ist, war klar, dass ich irgendwo zwischenlanden musste. Da ich schon immer mal nach Mexiko wollte und es ja quasi auf dem Weg lag, sollten es zwei Wochen hier und und auf dem Rückweg zwei Wochen New York sein. Stefan, einer meiner besten Freunde, hatte ein Jahr zuvor dorthin geheiratet und ich wollte die Gelegenheit gleich nutzen. Dazwischen zwei Monate Hawaii.

Mein Flug ging nach Mexiko Stadt, wo ich ein paar Tage bleiben wollte und dann mal sehen. Ich erwartete nichts und wollte es ruhig und entspannt angehen lassen, wie damals in Bangkok. Aber es kam – natürlich – anders. Nicht, dass Mexiko-Stadt hektisch gewesen wäre oder unentspannt, aber ich war erschlagen. Es gab hier kulturell so viel, dass ich einfach nicht zur Ruhe kam und beständig das Gefühl hatte, mindestens ein halbes Jahr hier zu leben - oder besser studieren - zu müssen, um mich dem wahnsinnigen kulturellen Schatz auch nur annähern zu können! Der kulturelle Schatz Thailands ist sicher nicht kleiner, aber er ist mir von Hause aus fremd und meine Berufskrank-heit Kunstgeschichte komplizierte vor allem im gängigen europäischen Kontext unbeschwertes Reisen, da ich das Gefühl hatte in jedes Museum, jede Kirche oder interessante Ausstellung zu müssen. Das kann recht schnell recht stressig werden, da der Genuss von Kunst und Architektur immer von Kontextfragen und überhaupt Fragen, Fragen, Fragen, Fragen begleitet war, so dass sich bald das erschlagende Gefühl von Defizit und Nichtwissen einstellte. Im außereuropäischen Kontext hatte ich das bis zu diesem Zeitpunkt hinter mir lassen können. Aber nicht in Mexiko-Stadt. Schon der erste Besuch auf einem – ich würde sagen Kunsthand-werkermarkt, aber wahrscheinlich war es ein ganz normaler mexikanischer Markt- war der absolute Wahnsinn! Schmuck, Stoffe, Perlen, Stoffe, Stickereien, Schnitzarbeiten etc. etc.- alles in diesen unglaublichen Farben und Muster. Ich war überwältigt und überfordert – das ging im kulturellen Bereich weiter: der europäischen Architektur, die teils mit lokaler Ornamentik durchsetzt war, der ganze Frida-Kahlo-Diego-Rieviera-Komplex und nicht zuletzt das unglaubliche kulturhistorische Erbe: ich verbrachte allein zwei komplette Tage in dem irren und riesigen Anthropologischen Museum. Dabei schaffte ich nur einen Bruchteil der Informationen zu lesen. Im Grunde schlenderte ich nur durch und es war trotzdem nie zu Ende! (Ja, es gibt nämlich nicht nur die Azteken und Maya, sondern noch x andere Völker mit ebenso faszinierenden Kulturen und Kultobjekten). Zu den Pyramiden oder irgendwelchen Ausgrabungen schaffte ich es schon gar nicht mehr, denn ich hatte beschlossen, es nach 10 Tagen gut sein zu lassen. Ich wollte der Großstadt mit ihrem Überan-gebot und dem damit beständig gefühlten Defizit an Zeit und Wissen, bei gleichzeitig erhöhtem Druck noch unbedingt hier und dorthin zu müssen, entziehen und „etwas vom Land“ sehen. Ich fühlte mich ausge-laugt und meine Rückenschmerzen, mit denen ich seit fast einem Jahr zu kämpfen hatte, kamen wieder.

Ich fuhr weiter in den kleinen Ort Puebla. Hier machte ich ruhig, sah mir das lokale Museum an und besuchte zu meiner großen Freude einen Safaripark inklusive einer Rundfahrt durch die riesigen Gehege, in denen die ungefährlichen Tiere frei herumliefen. Das war wirklich toll, aber der eigentliche Höhepunkt waren für mich zwei kleine Löwen!

Dann ging es für die verbleibende Woche weiter nach Oaxaca, Zentrum für Kunst-handwerk und von einigen wichtigen historischen Orten umgeben, von denen ich zwei – Mitlá und Monte Albán – besuchte und die mich auch stark beeindruckten. Vor allem Monte Albán tat es mir an, wahrscheinlich, weil es mehr mit dem Bild von Pyramiden zu tun hatte, das ich in meinem Kopf herumtrug. Die Region Oaxaca ist berühmt für farben-prächtigen Webereien mit geometrischen Mustern und ich kam nicht darüber hin-weg, dass mein Rucksack so klein und meine Reise noch so lang war, dass ich so gut wie nichts davon mitnehmen konnte. Ich hatte noch eine Woche Zeit und gleich zu Beginn wurde mein Rücken schlimmer und kurz darauf lag ich im Hotelzimmer, lass – haha! - die Biografie von Frida Kahlo und konnte mich vor Schmerzen selbst kaum bewegen. Wie sollte das gehen? Ich war auf Hawaii darauf ange-wiesen, gehen, stehen und auch arbeiten zu können. Hier würde das Geld für im Hotelzimmer rumliegen nicht reichen. Ich mußte belastbar sein. Völlig verzweifelt suchte ich im Telefonbuch eine Masseuse und landete bei einer Frau, die tibetischen Buddhismus praktizierte und die mir klar machte, dass es mir nicht gut ginge und ich eine Pause brauchte. Wie ironisch – ich war ja quasi im Urlaub... ! Wie dem auch sei – ich verstand und buchte um. Ich blieb eine Woche länger und entschied mich für den Entspannungsklassiker: eine Woche Hängematte am Strand mit einem, in meinem Fall alkoholfreien, Cocktail in der einen Hand und einem Buch in der anderen. Und das funktionierte. Eine Woche Mazunte und eine Shiatsu-behandlung von meiner Hüttennachbarin und strengen Krishnaanhängerin später, war ich wieder fit und nachdem ich in Mexiko – Stadt noch die großen Pyramiden in Teotihuacán gesehen hatte, ging es weiter nach Hawaii.

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